Impressum

Heimatstiftung

Sassnitzer Fischerei - und Hafenmuseum

Im März 1993 ergriffen Sassnitzer Bürger die Initiative zur Gründung eines gemeinnützigen Vereins des Sassnitzer Fischerei - und Hafenmuseums e.V. .

Dieser stellte sich das Ziel, die Geschichte von Sassnitz als Stadt der Fischerei und Fischverarbeitung, des Fährschiffs - und Bäderschiffsverkehrs und der Seetouristik in einem Museum darzustellen.

Im Trakt des ehemaligen Medizinischen Dienstes des Verkehrswesens des Fischkombinat Sassnitz im heutigen Stadthafen wurde 1996 dieses Museum inTrägerschaft des Vereins eröffnet und bis 2009 von diesem geführt.

Zum 1. Januar 2010 wurde mit Beschluss der Mitgliederversammlung des Vereins das Museum der Stadt Sassnitz zum Erhalt und weiteren Betrieb übergeben.


Wichtigstes und größtes Exponat des Museums ist das Museumsschiff - HAVEL -, das gegenüber dem Museum seinen Liegeplatz hat.Dieses Schiff ist der letzte 26 m - Kutter, der originalgetreu restauriert erhalten wurde.

Er gehörte zu einer Serie von 50 Kuttern , die bis 1990 im ehemaligen VEB Fischfang Sassnitz zum Einsatz kamen.An Bord werden die Besucher bei einer sachkundigen Führung mit den Arbeits - und Lebensbedingungen der

Hochseefischer vertraut gemacht und über die Brücke, in die Kammern, Kombüse und Maschinenraum geführt.


Schwerpunkte der Ausstellung im Museum auf ca. 300 qm

Ausstellungsfläche

 


1. Geschichte der Fischerei der letzten 150 Jahre

1.1 Genossenschaftsfischerei bis 1990

1.2 Ostdeutsche industrielle Hochseefischerei von 1949 - 1990

1.3 Entwicklung des Fischereistandortes Sassnitz nach der Wende

2. Aussagen zur Fischverarbeitung

3. Geschichte des Hafenbaus in Sassnitz und Mukran

4. Entwicklung der internationalen Verkehrslinien vom Postdampfer -

zum Eisenbahnfährverkehr.

5. Marinestandort Sassnitz

6. Entwicklung des Zollwesens

7. Küstenseefunkstelle Rügen Radio von 1931 - 1997

8. Bäderschifffahrt bis 1950

9. Seenotrettungsdienst

10. Entwicklung des Fischerdorfes Sassnitz zum Badeort bis zur

Stadt mit Ansichten der historischen Altstadt.

11.Maritime Sammlungen ( Schiffsmodelle, Fossilien ) und

Einzelstücke.


Kurzcharakteristik der genannten Schwerpunkte


1. Geschichte der Fischerei

1.1 Genossenschaftsfischerei

 

Gezeigt werden Arbeits - und Fischereigeräte, die damals und teilweise noch heute Anwendung finden.Dazu gehören Reusen, Stellnetze und Angeln, aber auch Handlot, und elektronische Geräte, wie Echolot, Radar, Decca und UKW.

 

 Historische Fischereiberechtigungen von 1890 ausgestellt von der fürstlichen Kanzlei zu Putbus und vom königlichen Fischmeister zu Stralsund, sind zu sehen.

Der Übergang zur Genossenschaftlichen Fischerei ab 1928 bis 1990 wird dargestellt. Wertvolles Exponat ist die gut erhaltene Vereinsfahne zur Gründung des Fischereivereins von 1936.

In diesem Verein pflegten die Mitglieder die Tratitionen ihres Berufsstandes, organisierten u.a. die jährlichen Fischerfeste und Kutterkorsofahrten.

1.2.Ostdeutsche Hochseefischerei

Auf der Grundlage des 1946 erteilten Befehls Nr.11 der sowjetischen Besatzungsmacht und dem Beschluss der Landesregierung Mecklenburgs 1948 zur Bildung eines großen staatlichen Fischereistandortes wurde 1949 in

Sassnitz das Fischkombinat Sassnitz aufgebaut. Zu sehen sind Teile des Traditionskabinetts des ehemaligen größten Betriebes der Insel. Hier kann die Betriebsgeschichte über 40 Jahre nachvollzogen werden.

Bis zu 180 Fischereifahrzeuge, vom 17m - Kutter bis zum großen Kühl - und Transportschiff, waren bis 1990 vorwiegend in Ost - und Nordsee, aber auch weltweit im Einsatz.

Ein großes Modell des Fischereihafens und viele Exponate helfen, sich die Abläufe im Hafen und auf See vorzustellen. An einer Multimediastation werden eindrucksvolle Einblicke in die Arbeit der Hochseefischer gegeben.

1.3 Entwicklung der Fischerei nach der Wende

Mit der Auflösung des staatlichen Betriebes Fischfang Sassnitz übernahmen 14 Kapitäne ihre Kutter privat und begaben sich in die Selbständigkeit. Zur Vertretung der gemeinsamen Interessen wurde die Genossenschaft - Sassnitzer Seefischer e.G. - gegründet, der auch die Vermarktung des gefangenen Fisches oblag.Das Unternehmen sicherte damit 66 Arbeitsplätze. Durch Modernisierung der Kutter waren gute Voraussetzungen geschaffen, sich in der Marktwirtschaft behaupten zu können.

2. Fischverarbeitung

Eine Auswahl an Produkten des ehemaligen Fischwerkes Sassnitz, des heutigen Marktführers - Rügenfisch - , werden in Vitrinen gezeigt und Einblicke in die industrielle Fischverarbeitung gegeben.

3. Hafenbau Sassnitz und Mukran

Dieser Ausstellungsschwerpunkt zeigt den Aufbau des Sassnitzer Schutzhafens von 1889 - 1912. Durch die mehrfache Erweiterung der langen Ostmole entstand die längste Außenmole Europas mit ca 1450 m Länge.

Mit dem dadurch geschützten Hafenareal erhielt nicht nur die ansässige Kutterflotte einen festen Hafenbereich für ihre Belange, es waren auch gute Voraussetzungen für die Entwicklung des Post - und Fährlinienverkehrs und weiterer Nutzungen gegeben. Ausführlich wird auch auf den Bau des neuen Fährhafens Mukran ab 1982 eingegangen, der mit seiner Indienststellung 1986 den umfangreichen Rohstoff - und Güterverkehr zwischen der damaligen DDR und der Sowjetunion schnell und sicher gewährleisten sollte.

4.Postdampfer - und Eisenbahnfährverkehr

Die Postdampferlinie zwischen Sassnitz und Trelleborg ( Schweden ) wurde 1897 eröffnet. Daraus entwickelte sich ab 1909 eine Eisenbahnfährverbindung ( Königslinie ), die mit 4 Dampffährschiffen gleicher Bauart betrieben wurde. Gezeigt wird die weitere Entwicklung des Fährverkehrs nach Schweden mit den sich in den letzten Jahrzehnten veränderten Fährschiffgenerationen und den dabei aufgetretenen besonderen Ereignissen. Der interessierte Besucher kann die über 100jährige Geschichte der - Königslinie - Sassnitz - Trelleborg als kürzeste Verbindung von Deutschland nach Schweden nachvollziehen. An einer Multimediastation werden historische Filme gezeigt, u.a. die Überfahrt mit dem Fährschiff - PREUSSEN -. Dabei überquert der Zug den Rügendamm ( Eröffnung 1936 ), passiert Rügen und zeigt die Überfahrt von Sassnitz nach Trelleborg. Die Fährlinie ist 1998 zum neuen Fährhafen Mukran verlegt worden. Ab 1986 konnte eine weitere Eisenbahnfährverbindung von Sassnitz - Mukran ins Baltikum ( Klaipeda ) in Betrieb genommen werden. Da die beförderten Waggons auf Breitspurbasis ausgelegt sind, verfügt der Fährhafen Mukran über ein entsprechendes Breitspurbahnnetz und ist damit der westlichste Bahnhof der Transsibirischen Eisenbahn.

5. Marinestandort Sassnitz

Aufgrund seiner vorteilhaften geographischen Lage war der Sassnitzer Hafen schon zu Kaisers Zeiten oft Anlaufpunkt von Marineschiffen . Die Kaiserliche Flotte ( Seiner Majestäts Schiffe - SMS ) bunkerte hier Kohle und Wasser, und der Hafen war auch Zwischenstation bei Übungs - und Manöverfahrten. Auch die Deutsche Kriegsmarine hatte großes Interesse an dem Hafen und richtete 1936 einen Ausbildungs - und Versorgungsstützpunkt in Sassnitz ein. Dieser wurde ab 1950 bis 1990 von der Marine der DDR übernommen. Obwohl es hier heute keinen Marinestützpunkt mehr gibt, wird der Hafen des öfteren von Schiffen der Deutschen Marine aufgesucht.

6. Entwicklung des Zollwesens

Die Geschichte des Zollamtes Sassnitz ist eng mit dem Beginn des grenzüberschreitenden Verkehrs verbunden. Im Mai 1887 wurde das Königliche Nebenzollamt 1. Klasse in Sassnitz errichtet und 1908 in Zollamt 1. Klasse erweitert. Mit der Fertigstellung des Fährhafens Mukran bestanden ab 1988 zwei Zollämter in Sassnitz, deren Aufgaben seit 1998 das Zollamt Mukran allein wahrnimmt.

7.Küstenfunkstelle - Rügen Radio

Informiert wird über die einzige ehemalige Küstenseefunkstelle an Mecklenburgs Küste, die von 1931 - 1997 den Funkverkehr zu den Schiffen auf allen Weltmeeren sicherstellte. Besonders zu Zeiten der DDR, als die Schiffe der Deutschen Seereederei und der großen Fischereiflotte oft Monate auf See unterwegs waren, konnten regelmäßig Kontakte zwischen den Besatzungen und deren Familienangehörigen zu Hause diese lange Trennungszeit etwas überbrücken. Die hohen Sende - und Empfangsmasten in den Orten Glowe und Lohme waren viele Jahrzehnte ein weithin sichtbares Kennzeichen dieser Funkstelle.

8. Bäderschifffahrt bis 1950

Zu der Bräunlich - Reederei, die bereits ab 1878 mit Salondampfern die Ostseebäderlinie zwischen Stettin über Sassnitz nach Kopenhagen befuhr, werden die dabei eingesetzten Dampfer im Bild vorgestellt und weitere Informationen gegeben. Ebenso informativ sind die Aussagen zu der - Sassnitzer - Motorboot - Gesellschaft - im Museum vorhanden, die ab 1901 aktiv war und ab 1912 den Namen in - Sassnitzer - Dampfschiffs - Gesellschaft - änderte. Diese Gesellschaft sicherte den Verkehr um Rügen und zwischen den Badeorten Rügens bis Greifswald ab.

9. Seenotrettungsdienst

Eine Seenotstation gab es bereits ab 1873 in Sassnitz. Es wird die Entwicklung vom Ruderboot bis zum modernen Seenotkreuzer dargestellt, der seinen Liegeplatz heute an der Westmole hat und ständig einsatzbereit für Notfälle auf See ist.

10. Entwicklungsgeschichte von Sassnitz

Aussagen werden zum ursprünglich kleinen Fischerdorf Sassnitz gegeben, das sich zwischen 1870 - 1925 zum größten Bade - und Erholungsort Rügens entwickelte. Besonders eindrucksvoll ist die wieder durch aufwendige Sanierung sehenswerte Altstadt mit seiner Bäderarchitektur. Eine Multimediastation zeigt viele hundert historische Fotos und gibt damit einen interessanten Rückblick zu Gebäuden , die heute zum Teil nicht mehr vorhanden sind. ( Luftangriff 6. März 1945 ) bzw. modernisiert wurden und damit in ihrer Ursprünglichkeit nicht mehr gesehen werden können. Bereits ab 1897 wurde die nationale und internationale Bedeutung von Sassnitz durch die Aufnahme des Postdampferverkehrs nach Schweden unterstrichen, die sich nach Eröffnung der Eisenbahnfährverbindungab 1909 weiter verstärkte. Nach dem II. Weltkrieg entwickelte sich Sassnitz zum zweitgrößten Fischereistandort der damaligen DDR. Die dadurch bedingte Zunahme der Einwohnerzahl hatte u.a. zur Folge, dass Sassnitz ab 1957 das Stadtrecht erhielt. Zu allen Ausstellungsthemen sind viele Informationen in Form von Exponaten, Schrifttafeln, Fotos und teilweise großen Modellen vorhanden. Drei neu eingerichtete Multimediastationen vervollständigen die vielen Möglichkeiten der Informationsübermittlung, die es den interessierten Besuchern leicht macht, sich in die gezeigten Thematiken hineinzudenken und mit neuen Erkenntnissen und Eindrücken den interessanten Museumsbesuch abzuschließen.


11. Weitere Sammlungen im Museum

Gezeigt werden auch: Schiffsmodelle, Fossilien, Ersttagsbriefe - und Karten zur Entwicklung der Königslinie sowie viele maritime Einzelexponate, die die umfangreiche Sammlung vervollständigen. Erwähnenswert sind auch die wechselnden Sonderausstellungen in den Museumsräumen und die regelmäßig im Winterhalbjahr stattfindenden - Sturmgespräche - zu ausgesuchten Themen. Besonders reizvoll ist der - Panorama Blick - aus den Fenstern des Museums, von wo der Schiffsverkehr im Hafen, aber auch ein- und auslaufende Schiffe aus beiden Sassnitzer Häfen beobachtet werden können. Ein Besucherfernglas hilft dabei, die Objekte noch näher heranzuholen. Bei klarer Sicht sind die Silhouetten von Binz bis nach Göhren gut zu sehen.

Virtuelle Tour

Museumskutter - HAVEL -

Technische Daten :

Länge 26,45 m

Breite 6,70 m

Tiefgang 3,60 m

Vermessung 133 BRT

Besatzung 7 Personen

Zuladung Fisch 45 t

Die -HAVEL -, die direkt gegenüber dem Museum ihren Liegeplatz hat, wurde 1956 auf der Volkswerft Stralsund gebaut und 1957 in Dienst gestellt. Als SAS 274 war sie bis 1990 in der Ost - und Nordsee als Seitenfänger mit Schleppnetzen  im Einsatz.Die Besatzung war in zwei Zweimann - und einer Viermannkammer untergebracht, die sich wie die Kombüse und die Sanitärräume im hintenliegenden Deckaufbau befinden.

Die Einsatzdauer betrug 18 Tage mit einem Aktionsradius von 3500 Seemeilen.

Die Antriebsleistung erfolgt über einen 6 Zylinder -

Viertakt - Schiffsdieselmotor Typ 6 NVD 36 mit

250 PS ( 190 KW ).

Damit konnte eine Geschwindigkeit von 9,5

Knoten erreicht werden.

Der Kutter wurde durch den Verein 1995 von der

Treuhand übernommen, aufwendig rekonstruiert

und in seiner vollen Funktionstüchtigheit erhalten.

Wir hoffen Sie neugierig gemacht zu haben und würden uns über Ihren Besuch im Museum freuen !